Donnerstag, 12. Juli 2012

Singapur

Ich wusste nie, was 'multikulturell' heißt, bis ich nach Singapur kam. Auch wenn man wohl gewisse deutsche Städte durch ihren Anteil an Einwanderern als 'multikulturell' bezeichnet, ist das nichts gegen Singapur. Als ich ankam, hatte ich erst einmal nen Schock, weil auf einmal alle Menschen so viel unfreundlicher waren, als in Australien und Neuseeland. Außerdem war es super schwül und heiß. Das war aber mal wieder ganz nett, nach all dem sogenannten Winter in Brisbane. Da ich ja über die Singapore Airlines mein Hotel und meinen Transfer gebucht hatte, musste ich nur auf den Bus warten, der mich direkt ins Hotel chauffierte. War ja mal wieder richtig luxuriös, sich um nichts kümmern zu müssen. Gegen Abend konnte ich also mein kleines, aber feines Zimmer beziehen und musste erstmal mit mir, bzw. mit dem Jetlag kämpfen, da ich ein paar Stunden später schon wieder verabredet war. Über couchsurfing.org kann man sich nämlich nicht nur Schlafgelegenheiten suchen, sondern auch nette Leute, die einen ein bisschen herumführen. So hatte ich Christian kennengelernt, der mir gerne was von seiner Stadt zeigen wollte. Er holte mich sogar im Hotel ab, überreichte mir eine Fahrkarte, die ich an dem Abend benutzen durfte (damit wir schnell von A nach B kamen) und zeigte mir zuerst mal Marina Bay. Von da kann man alles sehen, womit sich Singapur gerne einen Namen macht. Das Riesenrad, das Theater, das Museum und die drei Hotelriesen - welche genau hab ich leider vergessen - , die sich zusammen ein Deck inklusive Pool und Bars teilen. Von dort oben kann man die ganze Stadt sehen. Da der Eintritt für die oberste Etage jedoch schon 20 Dollar kostet, verzichteten  wir lieber auf den Spaß. Dort war also alles super modern und sauber - und genau das macht den Ruf der Stadt. Es heißt ja, dass Singapur das modernste und am weitesten entwickelte asiatische Land sei. Übrigens bekam ich das 'Maskottchen' der Stadt nicht zu Gesicht. Das Wesen - halb Löwe, halb Fisch -, das den Anfang des Flusses bewacht, wird im Moment renoviert und ist daher eingekleidet in ein Gerüst aus Bambus, davor steht aber eine kleinere Version in Springbrunnen-Form, damit die Touris trotzdem noch was zum Fotografieren haben.
Weiter ging es in eine ehemalige Markthalle, in der jetzt ein Essensstand nach dem anderen steht. So wirklich geheuer war mir das Essen da ja nicht, obwohl man sagt, es können sich nur die Stände halten, die auch wirklich gutes Essen verkaufen. Gut, das leuchtet mir ein, aber trotzdem: Man sitzt da dann bei 30°C (es kühlt nachts kaum ab) und gefühlten 98% Luftfeuchtigkeit in einem sogenannten Restaurant, das viel zu klein ist, um eine anständige Kühlanlage für das Fleisch zu haben... Aber was soll's. Wenn alle dort so essen, esse ich auch so. Es gab gegrillte Fleischspieße mit Erdnusssauce, dazu Gurke und Reiskuchen. Christian besorgte mir dazu den typischen asiatischen Eistee, der nicht Pfirsich- oder Zitronengeschmack hat, sondern nach Chrysanthemen oder Kräutern schmeckt. War aber nicht mal schlecht, nur ein bisschen zu süß für meinen Geschmack. Dank Christian verstand ich dann auch endlich, warum alle so unfreundlich sind und so böse schauen ("Das verwirrt uns Asiaten, wenn wir angelächelt werden. Wir denken dann 'was will der denn von mir wir kennen uns doch nicht!'") und ich habe erfahren, dass man schneller bedient wird, wenn man Chinesisch spricht. Zum Nachtisch gab es übrigens noch lecker Mangosuppe. Dazu mussten wir zwar an Tischen und Stühlen am Straßenrand sitzen, aber das war es wert.
Am nächsten Tag beschloss ich, mich auf den Weg nach Little India zu machen. Mit meinem Stadtplan bewaffnet stapfte ich also los, vorbei an einem muslimischen Friedhof und einer Moschee, bis mir mein Weg von einer riesen Baustelle versperrt wurde. Aber so kurz vor dem Ziel wollte ich nicht aufgeben und versuchte einfach, drum herum zu laufen. Dieser Weg führte mich dann durch einen Straßenbasar, auf dem ich plötzlich die einzige Touristin weit und breit war. Angst hatte ich zwar keine (ich wusste ja dank Christian, dass Singapur so ziemlich die sicherste Stadt ist), aber komisch war das ja schon. Und selbst gedrehte Zigaretten wollte ich doch sowieso nicht kaufen. Letztendlich schaffte ich es aber und muss sagen, das Ergebnis war eher enttäuschend: Die Sauberkeit des Vortages war verschwunden, überall fuhren Autos kreuz und quer, die Menschen liefen dazwischen auf den Straßen herum, die von alten und halb-verfallenen Häusern gesäumt waren. Es war dann aber sowieso inzwischen so heiß und drückend, dass ich mich entschied, erstmal zurück ins Hotel zu gehen und die Mittagshitze abzuwarten. Gegen Abend fuhr ich dann zurück in die Innenstadt und zum Bay, wo es mir eindeutig besser gefiel.
Und so ging auch der letzte Stop vor der Heimat schnell zu Ende. An Australien und Neuseeland kommt Singapur natürlich nicht ran, aber es war wirklich interessant, sowas mal zu sehen. Ein Land, in dem es eigentlich keine wirklichen Einheimischen gibt, sondern mehr Chinesen und Inder... Multi-Kulti!

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