Samstag, 2. Juni 2012

Sydney, Part II

Tag 4: Australier - die Kinder der Verbrecher

So schnell gehen vier Tage vorbei, wenn man beschäftigt ist. Zum Abschluss unserer "gemeinsamen Zeit" wollten Celina und ich am Dienstag eigentlich zu Bondi Beach, weil mir das meine Gastmutter empfohlen hatte (die beiden haben mal dort gelebt und sind immernoch hin und weg - um ehrlich zu sein: Ich glaube, sie wären lieber wieder in Sydney als in Brisbane). Da ja aber nichts mal genau so laufen kann, wie geplant, machte uns diesmal der Wettergott einen Strich durch die Rechnung. Die drei Tage davor war ja immer super Wetter, am Dienstag Morgen jedoch schüttete es wie aus Kübeln, sodass meine Stiefel, die - billig, wie sie waren - nur mit einer "Flip-Flop-Sohle" (ihr wisst schon: so ne Schaumgummi-Sohle) ausgestattet sind, schon nach ein paar Minuten durchnässt waren. Das fing ja super an. Es ist übrigens auch eine ziemlich rutschige Angelegenheit, mit solchen Sohlen auf dem nassen Boden zu laufen... 
 Glücklicherweise hat Sydney aber auch an Schlechtwetter-Tagen was zu bieten. Auf einer meiner Stadtkarten wurden die Sydney Barracks als 'einen Besuch wert' beschrieben und so fuhren wir eben anstatt an den Strand in ein Gefängnis. Das ist übrigens nicht irgendein Gefänginis. Neeeein, es ist das erste Gefängnis der englischen Kolonie überhaupt, also das Gebäude in dem die ersten Vorfahren der heutigen Australier gelebt haben. Und es war sein Geld wirklich wert. Schon als wir reinkamen, fragte uns die Frau an der Kasse: "Mädels, ihr seid doch bestimmt Studenten oder? Sagt einfach 'ja', das passt schon". Also sind wir schonmal für die Hälfte des eigentlichen Eintrittspreises reingekommen. Im ersten Ausstellungsraum dann stand ein freiwilliger Guide, der uns erstmal erklärte, dass man heutzutage stolz ist, wenn man Vorfahren hat, die Gefangene waren, weil man dann sagen kann: 'Meine Familie hat dieses Land aufgebaut'. Und ich muss sagen: So ganz Unrecht hat er damit nicht. Wenn man mal sieht für was die verurteilt wurden und in welchem Alter (der jüngste Gefangene war neun Jahre alt und die meinsten waren da, weil sie eine Kuh geklaut hatten oder so, was man denen während der Hungersnot damals wohl nichtmal verübeln kann). Naja, wie sich also herausstellte, war das Museum eines der besten, die ich je besucht habe. Da gibt es schöne Ausstellungsräume, wo man an Touch-Monitoren was über die Verurteilten lesen kann, es gibt Ausschnitte aus Tagebüchern und anderen original Berichten, man kann Sträflingskleidung anprobieren oder sich in die Garderobe der Weisenkinder, die auch dort untergebracht waren, werfen. Außerdem kommt es Australien hier auch mal zum Guten, dass es noch so jung ist, denn dadurch ist natürlich auch noch viiiiiiiel Originales erhalten.Schaut euch einfach selbst die Bilder an.


Er gehörte übrigens nicht zum Museum, er sitzt immer am Hafen und bietet den Leuten an, Fotos mit ihm zu machen und da die Indigenous (zu deutsch: Eingeborenen) es normalerweise nicht mögen, wenn man sie fotografiert, habe ich die Chance natürlich gleich genutzt.

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