Unser erstes Nachtlager wurde in Raglan aufgeschlagen. Raglan ist ein Surferparadies und im Sommer voll von Surfern. Nun ist es ja im Moment Winter im schönen Neuseeland, weshlab Raglan ziemlich ausgestorben ist. Unsre Lodge befand sich nicht im Ort selbst, sondern etwas weiter außerhalb, eigentlich mitten im Busch. Als wir zuerst dort angekommen waren, wollte ich eigentlich sofort wieder weiterfahren, weil es ziemlich deprimierend war, im Regen in einer Lodge zu sitzen, in der es kaum Besucher gab. Die Zeit bis zum Abendessen vertrieben wir uns mit UNO und Billiardspielen und erst gegen Essenszeit wurde es in der Küche etwas voller, die anderen Mitbewohner liesen sich endlich blicken. Anfangs waren wir Mädels noch unter uns, alberten beim Abendessen herum, Bier und Cider wurden ausgepackt und so allmählich kam doch gute Stimmung auf. Manche waren dann schon früh müde, weshalb nurnoch ein kleiner Rest der Stray-Bus-Gruppe übrigblieb. Und so kamen wir auch schließlich mal in Kontakt mit den anderen Mitbewohnern, die sich als suuuper relaxed und einfach cool herausstellten (sind alle Surfer so?). Wir hatten also einen schönen Abend, gingen noch Glühwürmchen-Schauen und plötzlich waren alle außer Sophie - eine Engländerin - und ich im Bett. Dann konnte die Party ja losgehen. Wir waren insgesammt zu fünft. Ein internationaler Haufen zusammengewürfelt aus Engländern, Holländern, Amis und Deutschen. Der Alkohol lief und lief und irgendwann fingen wir an Thriller zu tanzen. Das war, glaube ich, der erste Abend, an dem ich Australien komplett vergessen habe und mich - das hört sich jetzt super schmalzig an, ist aber so - total frei gefühlt habe. Fernab von der Realität. Die Jungs brachten dann die Idee auf, wir könnten doch ein paar Tage länger bleiben, also erst mit dem nächsten Stray-Bus weiterfahren. Jetzt hatte ich aber doch meinen Neuseeland-Trip komplett durchgeplant und hatte wirklich nur die sechs Tage Zeit für die Tour über die Nordinsel. Ich musste also bei der einen Gruppe bleiben, um rechtzeitig in Wellington anzukommen. Aber in Raglan war es doch so schön! Sophie wird ein Jahr lang in Neuseeland bleiben, für sie war es also egal und sie sagte "Wenn du bleibst, bleib ich auch". Tja, und da konnte ich Raglan einfach nicht widerstehen. Nachdem gecheckt war, wie ich am Sonntag nach Wellington kommen sollte (per Express-Bus von Taupo aus), stand der Entschluss also fest. Wir wollten bleiben - und surfen. Die Jungs hatten uns nämlich versprochen, uns am nächsten Tag mitzunehmen. Es gab ja dann keinen Grund mehr, früh ins Bett zu gehen und so feierten wir noch ein bisschen weiter.
Am nächsten Morgen war ich auch wirklich froh, dass ich mit meinem Kater nicht in den Bus steigen musste. Um acht Uhr mussten wir zwar kurz aufstehen, um dem Fahrer zu sagen, dass wir nicht mitfahren würden, wir verabschiedeten uns von den Mädels und legten uns erst nochmal hin. Erst gegen Mittag wurden wir geweckt, es ging nämlich zum Surfen. Perfektes Wetter hatten wir zwar nicht (stürmisch, regnerisch, kalt), aber wir mussten jeden Tag nutzen. Außerdem gab es ja Neoprenanzüge. Dann also rein in die wilde See. Wild war es an diesem Tag übrigens wirklich, aber wir konnten ja sowieso noch nicht weit raus. Es gab eine kurze Einführung, damit wir wussten, wie man (theoretisch) aufstehen sollte und schwupp, waren wir auch schon im Wasser. Die Jungs halfen uns, lieb wie sie waren, die ganze Zeit, rechtzeitig aufs Brett zu kommen und gaben uns Starthilfe. Und damit klappte es auch ganz gut. Wir standen sogar beide mal kurz auf dem Brett. Ich denke, dafür, dass wir keine Surfstunde hatten, haben wir beide unseren Job ganz gut gemacht. Zwei Mal habe ich zwar gedacht es ist aus, weil es schon n blödes Gefühl ist, wenn einen die Welle unter Wasser zieht und man Panik kriegt, das ist aber wohl normal. Wir liesen den Tag dann noch schön mit Sauna und gemeinsamen Abendessen ausklingen.
Donnerstag war leider unser letzter Tag in Raglan, der nochmal schön zum Surfen genutzt wurde (diesmal schien sogar die Sonne). Ich war ja so gar nicht glücklich, als der Stray-Bus ankam, der uns am nächsten Tag mit nach Rotorua nehmen sollte - ich wäre auch noch ein Jahr dort geblieben.
Tja, so muss ich also sagen, dass Raglan wohl der Grund ist, warum ich unbedingt wieder nach Neuseeland zurück will. Die Atmosphäre da lässt sich einfach nicht beschreiben. Alle sind so entspannt und locker und man vergisst wirklich die Realität um sich herum. Außerdem kommt man sich auch wirklich vor wie in einer Familie, wenn man in einer solchen Lodge ist. Es waren eben nicht viele da, jeder kennt jeden und außerdem bleibt einem mitten im Wald - ohne Handyempfang - auch nichts anderes übrig, als sich miteinander die Zeit zu vertreiben.
Ich bin immernoch sooooo traurig, dass ich da wegmusste, und dass ich die Leute, die ich dort kennengelernt habe, wohl nie wieder sehen werde. Aber das gehört wohl zum Reisen dazu...
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