Tag 1: Ende gut, alles gut



War es also wiedermal so weit: Mein Flieger nach Sydney wartete. Um fünf Uhr musste ich schon aufstehen, weil mich Clancy nur zum Zug gebracht hat, nicht zum Flughafen. Public Transport ist jetzt leider in Brisbane relativ schlecht, weshalb ich schon um halb sieben den Flughafenzug nehmen musste, obwohl wir erst um halb neun gestartet sind. Naja was soll's. Für ein paar schöne Tage kann man sowas schonmal auf sich nehmen. Diesmal habe ich die erste Nacht ja bei Julia, einem anderen deutschen Au Pair verbracht. Sie war am Samstag aber bis abends in den Blue Mountains, was mich vor mein erstes Problem gestellt hat: Wo soll ich meinen Koffer so lange unterbringen? Gut, dass Mark so nahe an der Stadt wohnt, also hat er mir am Freitag abend kurzerhand angeboten, dass ich meine Sachen zu ihm bringen könne. Ich musste dann zwar erstmal nach North Sydney fahren und dann wieder zurück in die Stadt, aber - wie schon gesagt - so weit ist das nicht. Nachdem ich den Flug gut rumgebracht hatte, wartete am Flughafen in Sydney aber schon das nächste Hindernis auf mich. Am Wochenende arbeiten die ja oft an den Bahnlinien, so auch an diesem. Dabei sollte ich doch eigentlich mit dem Zug zu Mark fahren. Gott sei Dank gab es ein paar nette Flughafenmitarbeiter, die mir den Weg zum Shuttlebus beschrieben haben, der mich - umsonst übrigens (der Zug kostet 15 Dollar) - zur Central Station bringen sollte, von wo die Anschlusszüge fuhren. Ja, alle, außer meiner natürlich. Der fuhr nur von der nächsten Station. Also wieder die Bushaltestation suchen, von wo ein Bus zu meinem Zug fuhr. Hat aber alles gut geklappt, der Koffer war ein bisschen sperrig, aber es geht alles - ich hatte ja Zeit. Irgendwann war ich dann bei Mark angekommen, hatte mein Gepäck abgeladen, einen Tee getrunken, ein bisschen gequatscht und habe dann beschlossen, ein bisschen spazieren zu gehen (das Wetter war soooo schön - strahlender Sonnenschein). Was soll man auch sonst machen, wenn man in so einer schönen Stadt ist, als den Ausblick genießen - und Fotos hat man doch auch nie genug. Ich bin dann bis zu einem Markt gelaufen, wo ich letztes mal schon war und habe von da aus die Bahn in die Stadt genommen. Alles in allem war es von da an ein ziemlich entspannter Tag, ich bin erst durch die Innenstadt gelaufen, habe schnuckelige kleine Gassen entdeckt, in denen überall Vogelkäfige hingen und ich war kurz im
Museum of Contemporary Art. Da hatte sich eine Frau (oder manche sagen es war ein Mann - egal für mich sah's aus wie ne Frau) an zwei Eisblöcke gebunden und so hing sie da und wartete, bis die geschmolzen waren. Naja, eigentlich hab ich sie nur kurz gesehen, denn als ich wieder aus dem Museum raus kam, war sie schon weg und die Blöcke schmolzen alleine vor sich hin. Ich hab die Dame an den anderen Tagen auch nie mehr wieder gesehen. So wirklich weiß ich deswegen auch nicht, was das ganze sollte ... moderne Kunst eben! Auf die Aussichtsplattform der Harbour Bridge, von wo aus man wirklich einen einmaligen Blick auf Sydney und den Hafen hat, bin ich auch gestiegen und habe den Rest des Tages in 'The Rocks' verbracht, diesem alten Stadtteil am Hafen, wo immer viele Straßenküstler zu finden sind. Die meisten stehen da wohl jeden Tag, denn viele kannte ich noch von meinem letzten Trip nach Sydney. Schon irgendwie lustig, dann fühlt man sich sofort besser und nicht mehr wie der größte Tourist. So auch, als mich eine Asiatin nach dem Weg zum Apple-Store fragte und ich (man bedenke dass ein manches Stück Brot mehr Orientierungssinn hat als ich) ihr tatsächlich weiterhelfen konnte. Zwar auch nur, weil ich an dem riiiiiesen Apple-Store erst eine Minute davor vorbeigelaufen war, aber immerhin.


Abends habe ich meine Sachen bei Mark wieder abholen müssen, bin dann in den gleichen Zug gestiegen, in dem Julia schon saß und bin mit zu ihr nach Hause gekommen. Ihre Familie ist übrigens deutsch, was mal was ganz neues für mich war. Und es war mal wieder richtig schön, einen "deutschen" Haushalt zu sehen, in dem deutsche Bücher und Filme stehen und in dem Deutsch gesprochen wird. Leben würde ich trotz allem dort aber nicht wollen, so wirklich merkt man ja da gar nicht, dass man überhaupt in einem anderen Land ist.
Aber der Tag sollte noch laaaange nicht zu Ende sein. Wir haben uns fertig gemacht und sind in die Stadt gegangen, um uns mit ein paar Freunden von Julia zu treffen. Zum Vorglühen gab es erstmal ne Flasche Wein und dann ging es in zwei verschiedene Clubs, wo wir gefeiert haben, bis die Musik ausging. Da war es dann auch schon halb vier. Die Mädels wollten trotzdem noch nicht heim, weshalb es nochmal zum Aufwärmen in einen Mc Donald's ging. Danach hatten die Ladies immernoch nicht genug und wollten weitermachen, nur leider lassen die - genau wie in Brisbane - in Sydney nach einer gewissen Uhrzeit niemanden mehr in die Bars, wir standen also letztendlich auf der Straße und haben dann um vier Uhr den Bus zurück genommen. Es dauert natürlich dann noch ein bisschen, bis man angekommen ist und so war ich dann um viertel sechs totmüde (war ja bis dahin schon 24 Stunden lang wach) und endlich im Bett. Und so kann ich sagen: So kompliziert auch am Morgen noch alles war, at the end of the day - wie die Australier sagen würden - war doch alles super.
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