Dienstag, 3. Juli 2012

Windy Wellington

 Endstation der Reise war, wie schon angekündigt, Wellington. Um dorthin zu kommen, musste ich am Sonntag Morgen schweren Herzens meine Gruppe in Taupo zurücklassen und in den Express-Bus steigen, der mich innerhalb von sechs Stunden in die Hauptstadt bringen sollte. Das schöne am durch die Gegend fahren ist ja, dass man sooo viel von der Landschaft sieht. Und so kam es, dass ich nach über einem Jahr mal wieder Schnee zu Gesicht bekommen habe. Oben auf den Berggipfeln lag er. Weiß und wuuunderschön. Die Bilder musste ich dann leider im Fahren machen, weshalb sie nicht die allerbesten geworden sind, aber immerhin.
 Nach stundenlanger Fahrt kam ich also in der Dämmerung endlich in Wellington an. Dort war es dann auch tatsächlich etwas frischer, als es noch in Auckland gewesen war und die windigste Hauptstadt der Welt machte ihrem Namen alle Ehre. Das Hostel war zum Glück schnell gefunden, da es direkt gegenüber der Haltestelle lag und so konnte ich mein letzes Hostel - zumindest für diesen Monat - beziehen. Abends stand nicht mehr viel an, weil irgendwie alle am nächsten Tag arbeiten mussten und mir war es dann auch ganz Recht, so konnte ich am nächsten Morgen wenigstens früh aufstehen. Erste Anlaufstelle war dann der Hafen, der direkt gegenüber lag. Es gibt doch wirklich nichts schöneres als an einem sonnigen Morgen am Meer entlangzulaufen! Das muss man Wellington schon lassen: es ist herrlich dort.


Ich lief also so ziemlich planlos durch die Gegend, bis ich zufällig zum Nationalmuseum kam. Das ist mit seinen sechs Etagen riesengroß und nicht wie ein typisches Museum aufgebaut, das heißt es gibt nur wenige Vitrinen, in denen einfach Gegenstände aufgestellt sind. Stattdessen kann man auf alle möglichen Entdeckungsreisen gehen. Man kann durch die Vulkanwelt laufen, durch den Wald und durch die Unterwasserwelt. Mein persönlicher Favorit war allerdings das Erdbeeben-Haus. Darin wir ein (abgeschwächtes) Erdbeben nachgestellt. Das gibt es in Neuseeland ja eigentlich ziemlich häufig, weil das eben eine Vulkaninsel ist, die noch aktiv ist. Gut, irgendwann war es aber auch mal wieder genug Museum und ich musste sowieso zurück, weil ich für den Nachmittag meine Herr der Ringe-Tour gebucht hatte. Ich bin ja jetzt nicht gerade der größte Anhänger, hab die Filme zwar gesehen und fand sie auch spitze, aber ich konnte mich nicht mehr haargenau an jede einzelne Szene erinnern. Das machte aber nichts, weil unser Guide ein Laptop mit hatte, auf dem er uns immer die entsprechenenden Filmausschnitte vorspielen konnte. Die Tour lief dann in etwa so ab: Wir wurden von Ted, unserem Guide vom Hostel abgeholt (mit mir waren noch zwei Koreanerinnen und eine Mutter aus Singapur mit ihrem Sohn dabei) und fuhren gleich mal hoch auf Mount Victoria. Das war für mich schonmal ein riesen Vorteil, eigentlich wollte ich da nämlich am nächsten Tag hin, weil der Bilck von dort oben wirklich atemberaubend ist, und da wir jetzt eben auf der Tour schon dorthin fuhren, konnte ich mir das am nächsten Tag sparen. Egal, zurück zum Thema: Dort oben angekommen dämmerte mir schon grausiges. Wir mussten bergsteigen. Jetzt ist Mount Victoria aber nicht nur ein Hügelchen, sondern ein richtig steiler Berg. Und zwar so richtig steil. Dabei hatte ich doch seit meiner Wanderung auf der Vulkaninsel vor Auckland gar keine Lust mehr auf Bergsteigen. Aber gut, wer was sehen will, muss das schonmal auf sich nehmen. Los ging der Marsch also vorbei an etlichen Punkten, an denen Herr der Ringe gedreht worden war. So steht da zum Beispiel ein Holzpfahl in der exakten Größe eines Hobbits - siehe oben rechts - und wir kamen an dem 'Baum' vorbei, unter dem sie sich vor dem schwarzen Reiter verstecken (falls ihr wisst, was ich meine). Jetzt steht da nur eigentlich gar kein Baum, sondern es existiert nur eine kleine Bucht im Berg... Egal, wenn man weiß, dass da Frodo saß, ist das trotzdem cool. Wir durften dann auch immer selbst Hobbits spielen - ich durfte den Ring halten!! - unser Tourguide hatte dafür immer alle möglichen Souvenirs mit.

Danach fuhren wir dann noch etwas durch's schöne Wellington, liesen uns zeigen, wo die Schauspieler wohnten und kamen letztendlich an der Weta Cave an. "Weta" ist das Unternehmen, das an der Produktion beteiligt war (übrigens auch an der Produktion von 'King Kong'). Wir sahen dort erst einen kurzen Film über die Entstehung des "Weta"-Unternehmens. Ich persönlich finde es ja immer total faszinierend zu sehen, wie ein junger "Verrückter" in seiner Studentenbude anfängt, Figuren zu formen, etwas mit Kunstblut herumspielt und dann irgendwann Peter Jackson trifft. Die beiden merken, dass sie die gleichen verrückten Träume haben, tuen sich zusammen und am Ende kommen dabei Filme wie eben Der Herr der Ringe dabei heraus.
Das kleine Museum und der Shop sind zwar auch toll, nur leider etwas zu teuer für meine Verhältnisse. Bilder kosten ja zum Glück nichts. :-)

Mein letzter Tag in Wellington wurde dann in Cuba Street verbracht, der bekannten Einkaufsstraße dort. Sie ist wohl etwas mit unsrer Queen Street Mall in Brisbane zu vergleichen. Viele Läden, viele Kaffees und viele Leute. Das war es auch, was mich irgendwie ziemlich geschockt hat, nachdem eine Woche nur in kleinen Orten verbracht hatte: Großsstadtleben mit vielen Leuten und die Hektik. Da habe ich mich doch wieder zurück in mein Raglan gesehnt, in dem ich den ganzen Tag über nicht mehr als zehn Menschen gesehen habe...

Alles in allem war mein Neuseeland-Trip also wirklich unbeschreiblich schön. Und mit unbeschreiblich meine ich auch wirklich, ich kann nicht beschreiben, wie begeistert ich bin. Müsste ich nicht endlich mal etwas 'seriöses' machen und studieren, wäre ich garantiert noch ein Jahr dort geblieben, aber ich kann ja zurückkehren - irgendwann, unbedingt.

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