Freitag, 18. Mai 2012

The 8 Mile

In Australien gibt es nirgendwo typische 'Ghettos' und Nobelviertel, sondern es ist alles gut gemischt. Klar, es gibt schon ein paar Stadtteile, in denen so gut wie nur Villen stehen, weil einfach die Grundstückspreise dort teurer sind (vor allem in den Stadtvierteln, die nahe an der Stadt liegen, bzw. die, die so weit draußen liegen, dass man direkt vor seiner Haustüre den Wald hat). Allgemein sind die Grundstückspreise aber so gut wie überall erschwinglich und so bemüht sich die australische Regierung darum, alle sozialen Schichten gut durchzumischen, damit eben keine Problemviertel entstehen. Die Idee finde ich an sich nicht schlecht und ich denke es funktioniert auch ganz gut, denn es gibt wirklich nirgendwo Viertel, die man meiden soll.
Jetzt ist es aber natürlich auch so, dass man dann öfters mit Armut und sozialen Problemen konfrontiert wird. Mir hat ein Freund, der in Moorooka aufgewachsen ist, zum Beispiel gezeigt, dass direkt am Spielplatz, neben einem der teuersten Häuser hier ein Dealer wohnt und auch sonst sieht man des öfteren im Park Kinder, die auf sich alleine gestellt sind. Und ich muss sagen, mir tun die echt leid, deswegen mache ich es nicht so wie die meisten Mütter hier und ignoriere die "Straßenkinder" einfach, sondern meistens fange ich an mit denen zu reden, letztens haben wir den Snack für die Jungs sogar mit zwei anderen geteilt. Die waren natürlich super dankbar und eigentlich sind die auch echt alle immer nett und freuen sich, wenn sich jemand mit ihnen beschäftigt. Jetzt ist da aber ein Junge, der mich extrem an den Film "8 Mile" erinnert. Der sitzt einfach immer dort irgendwo herum, ohne Schuhe, mit viel zu großer Lederjacke, "Rattenschwanz" (ihr wisst schon: dieses kleine, Zöpfchen am Hinterkopf, das manche Buben haben) und ab und zu mit Hund. Ach ja: Und er hat wohl irgendwo ein iPhone aufgegabelt. Ich muss dazu sagen, so gut wie jeder hat hier ein iPhone und seines sieht auch schon extrem heruntergekommen aus. Damit spielt er dann meistens alten Hip-Hop wie 50Cents "In da club" - das gibt dem ganzen '8-Mile'-Eindruck natürlich auch noch den richtigen Soundtrack. Das erste mal, als wir den getroffen haben hat er mir auch noch wahnsinnig leid getan, er hat uns ganz begeistert gezeigt, dass er auf alle Bäume im Park klettern kann und jeden Stock und Stein im Park auswendig kennt. Das Problem bei dem ganzen ist jetzt nur: der hört nicht mehr auf zu reden! Er erzählt, dass er sich mit seiner Mutter nicht gut versteht, sein Onkel den ganzen Tag lang daheim ist und Bier trinkt, wenn er nicht schläft und sein Lieblingsthema ist die alte Musik auf seinem Handy... Ich bin nur einfach zu gutmütig, als dass ich ihn einfach ignorieren könnte. Und so fühle ich mich dann mindestens einmal in der Woche wie "im falschen Film" - nämlich wie in Marshall Mathers '8 Mile'.

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