Gestern war in Australien Feiertag. ANZAC-Day, um genauer zu sein. Das ist sowas wie der Volkstrauertag in Deutschland, nur besser. Also es wird den gefallenen Soldaten und Soldatinnen gedacht. Anders als die Deutschen kennen die Australier jetzt sowas wie Nationalstolz, Patriotismus. Und anders als die Deutschen hängen sie daher nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher oder in einem Café zum Kaffeetrinken, sondern stehen schon früh auf, um zur Gedenkfeier zu gehen. Meine Gastfamilie ist ja im Moment in Byron Bay, das heißt, ich war ganz alleine. Gut, dass Michael immer froh ist, wenn er mir was australisches zeigen kann und da er in der Navi ist, war es ja die Gelegenheit sich zu treffen.
Es war echt interessant, aber das große Spektakel kam dann erst in der Stadt. Da war nämlich die hauptsächliche Parade angesagt mit allen möglichen Kriegsvertretern, die Brisbane so zu bieten hatte. Sie hat auch dementsprechend lange gedauert, nämlich über zwei Stunden. Naja, man muss ja auch nicht alles sehen, ich bin mit Christel (der Frau von einem andren "Sailor") schonmal zum Treffpunkt am Ende gelaufen und danach war es Zeit fürs Mittagessen in einem Pub. Natürlich gab es dazu auch keine normalen Getränke, sondern nur Bier oder Cider. Gut, dass mir Michael seine Medaille geliehen hat, so konnte ich sagen, ich sei auch bei der Navi, sonst wird man vor Nachmittag an ANZAC-Day nämlich nicht bedient... sehr nett. Ich war inzwischen nach 12 Stunden auf den Beinen schon hundemüde, durfte mich aber nur kurz im Appartment, das ein paar, die mit uns unterwegs waren, in der Stadt gemietet hatten (super Ausblick übrigens) ausruhen, weil wir den Anfang von einem Football-Spiel da geschaut haben.
Anschließend machten wir uns auf den Weg ins Victory, ein eigentlich eher ... naja, sagen wir mal, ein Club, den einem niemand empfehlen würde. Außer an ANZAC-Day. Da tummeln sich dann vor allem Mitglieder der Navi und Air-Force darin. Ein paar von der Army hatten sich auch dahin verirrt, man hat aber schnell gemerkt, dass die eher weniger willkommen waren. Es ist also hier wie überall. Es gibt immer Rivalität unter solchen Gruppen - wie in der Schule mit den verschiedenen Klassen :-). Dort haben wir dann getrunken, getanzt, Billiard gespielt und noch mehr getrunken, bis wir abends in einen anderen Club gewechselt sind, weil da einer der "Sailors" einen Auftritt mit dem DJ hatte, und wir natürlich unterstützen mussten. Blöd, dass ich meine Sachen im Appartment in der Stadt gelassen hatte, der Club aber in Richtung Heimat lag. Also was mache ich? Ich gehe erst mit in den Club, um danach wieder zurück in die Stadt zu laufen, meine Sachen zu holen und den Bus nach Hause zu nehmen. Michael hat mich zwar begleitet, ich musste nicht alleine durch die Nacht hetzen, aber mir haben die Füße danach trotzdem weh getan. Um elf Uhr abends war ich dann "schon" daheim. Total ungewohnt irgendwie. Ich bin immer an den Restaurants vorbeigelaufen und hab mich gewundert, warum noch so viele zu Abend gegessen haben, bis mir eingefallen ist, dass ja erst acht oder halb neun war...
Im Großen und Ganzen war ich dann daheim wirklich platt und bin sofort ins Bett gefallen, der Tag war aber trotzdem super. Schade eigentlich, dass es in Deutschland sowas nicht gibt. Ein bisschen Patriotismus würde uns wohl nicht schaden.
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